Indischer Tempeltanz trifft auf literarische Reiseeindrücke

Badische Zeitung 26.Juni 2018 von Erich Krieger

Die Tänzerin Liga Saukante tritt im Zusammenklang mit Texten von Martin Mosebach in der Rainhofscheune in Kirchzarten-Burg auf.

In der Veranstaltungsreihe Consonanzen, organisiert vom Buchladen in der Rainhofscheune und dem Pianisten, Chorleiter und Komponisten Lambert Bumiller, erfüllten diesmal die aus Lettland stammende Tempeltänzerin Liga Saukante und Texte des Büchner-Preisträgers Martin Mosebach den programmatischen Auftrag, Literatur mit anderen Kunstformen zu verbinden. Allerdings nicht in einem Sakralraum, sondern in der ehemaligen Tenne der Rainhofscheune in Kirchzarten-Burg.

Die Tänzerin präferiert den sehr alten Stil Bharata Natyam des indischen Tempeltanzes, der innere Emotion, Melodie und animierende Rhythmik in körperbetonten Ausdrucksformen vereint. Diese Tanzart manifestierte sich ursprünglich entweder in tänzerisch erzählten Geschichten aus dem Leben und Wirken der indischen Götterwelt oder in bewegten, auf Harmonieausstrahlung zielenden und für sich stehenden Tanz-Skulpturen im Raum. Letzteres wird durch das Bemühen unterstrichen, im Bewegungsablauf um eine imaginäre senkrechte Linie immer wieder gefühlte Symmetrie zu erreichen. Auf der Bühne wird der Bharata-NatyamTanzstil heute auch auf durchaus weltliche Thematiken übertragen. So auch in Kirchzarten. Liga Saukante präsentierte zunächst einen rituellen Tanz zu Ehren des Gottes Vishnu, der als Beschützer der Welt gilt, und seiner bezaubernden Gattin Lakshmi. In einer von exzellenter Körperbeherrschung geprägten Performance zeigte die Künstlerin voll anmutiger Schönheit alle Bestandteile ihrer Kunst: expressive Gestik und Mimik, manchmal an Akrobatik grenzende Bewegungsabläufe, exakte musikalische Einfühlung zu der vom Band eingespielten mitreißenden Musik, die sie selbst mit an Step-Tanz erinnernder (Bar-)Fußarbeit zusätzlich rhythmisierte. Zum ästhetischen Genuss trug ihr geschmücktes, farbenprächtiges Kostüm bei.

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